AMO: Die "außermediale Opposition" formiert sich.
Sie wird immer lauter, immer vielfältiger, immer bunter und immer mächtiger: die AMO, die "außermediale Opposition", die Tea Party der Medienverdrossenen.
Die Medien sehen sich gerne als die vierte Machtinstanz in unserem Staat.
In einem am 27.06.2010 veröffentlichten Interview mit Cicero-Online http://www.cicero.de/97.php?ress_id=9&item=5156 hat der Kommunikationswissenschaftler Hans Mathias Kepplinger den zunehmenden Machthunger und die Neigung der Medien zur "übertriebenen Form der Skandalisierung" kritisiert und auf folgendes Phänomen hingewiesen:
"Der Hauptgrund (der übertriebenen Form der Skandalisierung) liegt in einer schleichenden Machtverlagerung von der Politik auf die Medien. Anfang der 70er Jahre waren die Eliten in Politik und Medien übereinstimmend der Meinung, dass die Politik mehr Macht hat als die Medien. Knapp vierzig Jahre später, 2008, waren die Bundestagsabgeordneten und die Hauptstadtkorrespondenten übereinstimmend der Meinung, dass die Medien mehr Einfluss auf die Politik haben als die Politik auf die Medien. Aus Sicht der Führungseliten in beiden Bereichen hat es demnach eine Machtverlagerung von der Politik auf die Medien gegeben. Noch deutlicher wird dies bei der Frage, wie viel Macht die Politik und die Medien haben sollen. Die Bundestagsabgeordneten wollten ein Machtgleichgewicht, also etwas mehr Macht für die Politik und etwas weniger für die Medien. Die Hauptstadtjournalisten wollten dagegen die eindeutige Übermacht – also noch mehr Macht für die Medien und noch weniger für die Politik. Hier zeigt sich ein Machtanspruch, der mit den Grundlagen einer repräsentativen Demokratie nur schwer vereinbar ist." So weit die Aussage von Mathias Kepplinger.
Er bringt damit das Problem auf den Punkt. Es gibt, so sagt er, eine Machtinstanz, die von niemandem kontrolliert und in die Schranken verwiesen wird. Das verführt natürlich dazu, den Machtanspruch immer mehr auszudehnen und die Machtfülle auszukosten. Und niemand kommt dagegen an. Wie auch? Außer dem Deutschen Rundfunk- und Presserat gibt es kein Organ, das geeignet wäre, einen eventuellen Machtmissbrauch der Medien zu ahnden oder gar zu verhindern. Eva Herman, Guido Westerwelle, Horst Köhler, Tilo Sarrazin und nun Karl-Theodor zu Guttenberg, sie alle wurden von den Medien durch den Wolf gedreht, ohne dass irgendjemand diesem Treiben Einhalt gebieten konnte.
Wirklich nicht? Nein, es ist nicht gelungen, die Medien zu bremsen, es regt sich jedoch Widerstand. Es hat sich eine außermediale Opposition gebildet, die hartnäckig zu den medial geächteten "Unpersonen" hält. Kaum hat Karl-Theodor zu Guttenberg seinen Rücktritt erklärt, wurde in Facebook die Gruppe "Wir wollen Guttenberg zurück" gegründet. Noch am selben Tag haben sich über 300.000 Facebooker dieser Bewegung angeschlossen, einen Tag später wurde um 20.30 Uhr bereits die 450.000er-Marke geknackt. Was sagt uns das? Der Leser, der Zuschauer respektive Zuhörer ist nicht mehr bereit, sich dem Diktat der Medien zu beugen. Es regt sich Widerstand.
Aber nicht nur per Facebook organisieren sich die Medienverdrossenen. Sie haben eine Vielzahl von Kanälen für sich entdeckt, die nicht zensiert, kontrolliert und glattgebügelt werden. Wikipedia, Wiki- und Open-Leaks, Weblogs, Twitter und YouTube spielen eine immer wichtigere Rolle bei der Beschaffung und Veröffentlichung von Geschehnissen, Meinungen und Informationen, die ansonsten nicht den Weg ans Licht der Öffentlichkeit gefunden hätten. Das, was früher der Kopierer und das Faxgerät waren, sind heute das Handy und das Internet. Ob bei der Hinrichtung Saddam Husseins, der Steinigung von Ehebrechern in Afghanistan oder beim Einsatz von Wasserwerfern gegen Demonstranten im Schlosspark von Stuttgart, immer ist jemand mit einem Handy zugegen, filmt mit und stellt Minuten später den Clip über YouTube ins Internet.
Die Organisation Avaaz www.avaaz.org ruft zu Spenden auf, mit denen sichere Satelliten-Modems und Telefone, winzige Videokameras, tragbare Radiosender und Experten vor Ort finanziert werden sollen, damit aus den Krisenregionen dieser Erde trotz Zensur und Kappung der Internetverbindungen Nachrichten, Bilder und Videos ihren Weg in die Weltöffentlichkeit finden.
Doch auch über den klassischen Weg meldet sich die außermediale Opposition zu Wort. In den Kommentarspalten zu Online-Artikeln über E-mails und Leserbriefe werden allzu selbstherrliche Autoren angegangen und gnadenlos zerrissen.
Immer öfters wird auch zur Höchststrafe gegriffen: Der Klick auf die Fernbedienung, indem abturnende Talkshows weg geknipst oder schon gleich gar nicht auf den Bildschirm geholt werden. Die Quoten sinken in den Keller. Zeitungen und Magazine müssen einen zunehmend stärkeren Abonnentenschwund verkraften, weil immer weniger Leser für das, was sie da geliefert bekommen, Geld ausgeben wollen.
Ja, die Anhänger der AMO, der außermedialen Opposition formieren sich. Der Widerstand ist erst am Anfang. Je mehr der Leser, der Konsument seine Macht erkennt, um so stärker wird die Verweigerung werden, den Kampagnen der medialen Machtelite zu folgen. Das ist gut so, denn es darf sich in keinem freien Land eine unkontrollierbare und alles überlagernde Meinungsdiktatur herausbilden. Das wäre das Ende jeder Form von Demokratie.